Wohlfahrtsverbände fordern Nachbesserungen im Winternotprogramm

Wir brauchen eine Öffnung der Hotels – jetzt!

Die Hamburger Sozialbehörde hat in der vergangenen Woche die Öffnungszeiten des Winternotprogramms verlängert und erneut auf die zahlreichen Angebote in den Übernachtungsstandorten hingewiesen. Dennoch nehmen viele obdachlose Menschen diese Angebote nicht an und schlafen selbst bei widrigen Wetterverhältnissen im Freien. 

„Als Wohlfahrtsverbände engagieren wir uns mit zahlreichen Angeboten in der Wohnungslosenhilfe. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informieren durchgehend über das städtische Winternotprogramm und weisen obdachlose Menschen auf den Erfrierungsschutz hin. Immer wieder meiden Obdachlose jedoch die Unterkünfte – das hören wir jeden Tag in unserer Arbeit“, sagt Sandra Berkling von der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, dem Zusammenschluss der Hamburger Wohlfahrtsverbände.  

Hauptkritikpunkt ist weiterhin die Form der Unterbringung in den Standorten des Winternotprogramms. Die obdachlosen Menschen müssen in diesen Zeiten der Pandemie mit zwei oder drei fremden Menschen in einem Zimmer übernachten, zum Teil sind es sogar bis zu sechs Personen. Manche Obdachlose haben im Winternotprogramm auch schlechte Erfahrungen in Form von Diebstahl, Lärm oder Streitereien gemacht und lehnen deshalb das Aufsuchen der Unterkünfte ab. 

„Solange es im Winternotprogramm nur wenige Einzelunterbringungsmöglichkeiten gibt, werden zahlreiche obdachlose Menschen das Angebot auch in Zukunft nicht annehmen. Wir brauchen daher jetzt mehr Einzelbelegung und eine weitere Öffnung der Hotels“, so Berkling. 

Die Corona-Krise offenbart den Weiterentwicklungsbedarf des Winternotprogramms – wie etwa die Notwendigkeit kleinteiliger und dezentraler Unterbringungen – auf den die Verbände seit einigen Jahren hinweisen. Die Wohlfahrtsverbände erneuern die Forderung an die Stadt, die Unterbringung von gefährdeten Obdachlosen in Hotels zu realisieren und mehr Einzelplätze zu schaffen. Diakonie, Caritas und andere haben über Spenden eigenständig Hotelplätze für Obdachlose akquiriert und machen damit durchweg gute Erfahrungen. Es werden auch Obdachlose erreicht, die das Winternotprogramm meiden. 

Kontakt:  

Sandra Berkling  

Tel. 040 - 23 68 65 57 oder 0151 - 42 54 74 68 

sandra.berkling@agfw-hamburg.de

  • 2021-01-29

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